Nachruf auf Lajos Rovatkay (1933-2026)
Der Zeitgenosse. Der Ermöglicher. Der Steffani-Anwalt.
Mit großer Trauer nimmt das FORUM AGOSTINO STEFFANI Abschied von Lajos Rovatkay, seinem Initiator, Motor, langjährigen Künstlerischen Leiter und bisherigen Ehrenpräsidenten. Mit ihm verliert Hannover nicht nur einen der bedeutendsten Musikvermittler und -denker der Nachkriegszeit, sondern eine Persönlichkeit, die Vergangenheit und Gegenwart der Musik wie kaum eine andere miteinander zu verbinden wusste.
Lajos Rovatkay war ein musikalischer Universalist. Als Organist, Dirigent, Hochschullehrer, Musikforscher und leidenschaftlicher Vermittler hat er Generationen von Musikerinnen und Musikern geprägt. Früh setzte er sich für die historische Aufführungspraxis ein – nicht als museale Rückschau, sondern als lebendige Auseinandersetzung mit Musik als Ausdruck ihrer Zeit. Sein Denken war stets historisch fundiert und zugleich radikal gegenwärtig. 1992 erhielt Rovatkay für sein vielfältiges Wirken den Niedersachsenpreis.
Die Vergangenheit für die Gegenwart nutzbar zu machen: Darin lag auch seine tiefe Verbindung zu Agostino Steffani. Für Lajos Rovatkay war Steffani weit mehr als eine historische Figur oder ein wiederzuentdeckender Komponist. Er begriff ihn als europäischen Künstler, Diplomaten und Netzwerker, dessen Bedeutung für Hannover weit über das Musikalische hinausreicht. Bereits 1981 gründete er das Barockorchester Capella Agostino Steffani, mit dem er in Konzerten und Aufnahmen die Bedeutung des Komponisten Steffani dokumentierte. Mit der Wiederaufführung von Steffanis erster hannoverscher Oper „Enrico Leone“ 1989 erreichte Rovatkay ein breites Publikum und machte nicht nur die hannoversche Musikwelt auf eine große musikalische Persönlichkeit aufmerksam. In einer zweiten Welle der Beschäftigung mit Steffani gründete Rovatkay 2014 das FORUM AGOSTINO STEFFANI, das als interdiszipliäres Podium die Pflege des Werkes von A. Steffani vorantreibt und alljährlich die Steffani-Festwoche veranstaltet.
Dass Steffani heute wieder stärker im kulturellen Bewusstsein der Stadt Hannover verankert ist, ist untrennbar mit Rovatkays Engagement verbunden.
Mit der Gründung und dem beharrlichen Aufbau des FORUM AGOSTINO STEFFANI schuf Lajos Rovatkay einen Ort des Denkens, des Hörens und des Dialogs – einen Raum, in dem Alte Musik nicht abgeschlossen, sondern anschlussfähig wird: an Gegenwart, an neue Generationen, an andere Künste und Disziplinen. Als Künstlerischer Leiter prägte er das Forum über viele Jahre mit intellektueller Neugier, programmatischem Mut und einem unbestechlichen musikalischen Urteil.
Dabei war Rovatkay nie ein Lautsprecher. Er überzeugte durch Tiefe, Genauigkeit und Haltung. Wer mit ihm arbeitete, erlebte einen wachen Geist, der Fragen stellte, Widersprüche aushielt und stets nach dem Kern suchte: nach dem Klang, der Idee, dem Sinn. Seine Autorität speiste sich nicht aus Ämtern, sondern aus Wissen, Erfahrung und Leidenschaft.
Auch im hohen Alter blieb Lajos Rovatkay präsent, interessiert und zugewandt. Als Ehrenpräsident des FORUM AGOSTINO STEFFANI begleitete er dessen Entwicklung mit kritischer Sympathie und großem Vertrauen in die nachfolgenden Generationen. Sein Wirken war nie abgeschlossen – es war ein Angebot, weiterzudenken.
Mit seinem Tod verliert das FORUM AGOSTINO STEFFANI seinen geistigen Vater. Sein Erbe jedoch bleibt lebendig: in den Ideen, die er angestoßen hat, in den Menschen, die er inspiriert hat, und in dem Anspruch, Musik immer als Teil eines größeren kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhangs zu begreifen.
Wir werden Lajos Rovatkay in Erinnerung behalten –
in Dankbarkeit, in Respekt und in tiefer Verbundenheit.
Die Planungsgruppe des FORUM AGOSTINO STEFFANI
9. Steffani-Festwoche
Sterne
Eine große Nachtmusik
Fr, 20.2.26, 18Uhr
Galerie Herrenhausen
Heinrich Ignaz Franz Biber – Serenada à 5 für Streicher „Der Nachtwächter“
Antonio Vivaldi – Concerto g-moll „La Notte“
Wilhelm Herschel – Sinfonie Nr. 8 c-moll
David Borges (geb. 1979) / la festa musicale – „Recht auf Erkenntnis“
(Uraufführung, mit Schüler*innen der Herschelschule Hannover)
Wolfgang Amadeus Mozart – Serenade Nr. 13 für Streicher G-Dur „Eine kleine Nachtmusik“
Wilhelm Herschel – Sinfonie Nr. 12 D-Dur
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In diesem Konzert wird der Blick nach oben gerichtet. So, wie es vor 250 Jahren der aus Hannover stammende Astronom und Komponist Wilhelm Herschel tat. Mit den von ihm konstruierten Spiegelteleskopen vermaß er den Weltraum in bis dahin ungeahnter Präzision. Er entdeckte den Planeten Uranus samt Ringen und Monden und erstellte einen Katalog unterschiedlichster Himmelsobjekte.
Im „Erstberuf“ war Herschel allerdings Komponist und Musiker, und so stehen zwei seiner Sinfonien im Zentrum des Konzerts. Dazu gibt es Nachtmusiken von Biber bis Mozart und – als musikalisches Echo aus der Gegenwart – eine Uraufführung der komponierten Improvisation „Recht auf Erkenntnis“ von David Borges. Borges ist als Komponist spezialisiert auf elektronische
Musik, unterrichtet passenderweise an der Herschelschule Hannover und wird das neue Werk zusammen mit seinen Schüler*innen und la festa musicale aus der Taufe heben.
ca. 100 Minuten
Venezianische Opern
Sa, 21.2.26, 19.30Uhr
Galerie Herrenhausen
Mitwirkende:
MUSICA ALTA RIPA
Studierende der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover und des Conservatorio di musica Agostino Steffani in Castelfranco Veneto
Leitung: Bernward Lohr
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Agostino Steffani wurde 1654 in Castelfranco, Veneto geboren. Das dortige Conservatorio di Musica ist nach ihm benannt und hat folglich auch einen Schwerpunkt in der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Im Februar 2026 kommt es erstmals zu einer Kooperation zwischen den beiden Hochschulen in Hannover und Castelfranco, in dessen Rahmen ein einwöchiger Workshop mit Masterclass-Kursen und einem abschließenden Konzert für 12 Studierende beider Hochschulen angeboten wird. Als Repertoire wird eine exquisite Auswahl venezianischer Opernarien aus dem 17. Jahrhundert einstudiert, also der Zeit, als der Kulturtransfer zwischen Venedig und Hannover besonders intensiv war, dem die Hannoveraner ihr erstes Opernhaus verdankten und die Venezianer, vom Künstler bis zur Kurtisane, gut bezahlte Jobs in Diensten der Welfen hatten. Die Welfen reisten über Jahrzehnte mit großem Gefolge zum (damals monatelangen) Karneval an, hatten in sechs Opernhäusern feste Logen und einen Zweitwohnsitz in bester Lage.
Steffani-Spaziergang
Sa, 28.2.26, 14Uhr
verschiedene Orte Hannovers rund um die Basilika St. Clemens
Steffani-Expertin Dr. Claudia Kaufold und Stadtführer Bernward Kalbhenn laden Sie ein auf einen Spaziergang durch die Calenberger Neustadt auf Steffanis Spuren.
Treffpunkt: Eingangsbereich des Neuen Rathauses, Trammplatz 2
Eintritt frei, um Anmeldung wird gebeten.
Hinweis: Mit Klick auf den Button senden Sie uns eine E-Mail. Es gelten unsere Datenschutzbestimmungen.
Sfogava con le stelle
Sa, 28.2.26, 18Uhr
Marktkirche Hannover
Werke von. A. Steffani, C. Monteverdi, F. Schubert, R. Schumann, J. Brahms, R. Strauss,
M. Reger und Th. Escaich
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Sterne und Kometen
So, 1.3.26, 17Uhr
Galerie Herrenhausen
Agostino Steffani – Vokalduette und Opernszenen
Johann Anton Coberg – Suiten
Johann Abraham Schmierer – Stücke aus dem Musicalischen Zodiaco
Mehr Informationen
Schon traditionell schließt die Konzertreihe Herrenhausen Barock mit dem Abschlusskonzert der Steffani-Festwoche Hannover. Im Konzert erklingen Vokalduette, die Agostino Steffani zu Lebzeiten berühmt gemacht haben. Diese europaweit verbreiteten Werke waren für Generationen Vorbilder kontrapunktischer Kompositionsarbeit und machten ihren Komponisten bis ins 19. Jahrhundert populär. Auch die berühmte Opernszene „Se t’eclissi – vive stelle“ aus Steffanis Oper Orlando generoso darf nicht fehlen.
Diesen emotionalen und virtuosen Stücken stehen Orchestersuiten aus dem „Musicalischen Zodiaco“, also der musikalischen Beschreibung der Tierkreiszeichen, gegenüber, die 1698 in Augsburg erschienen und Johann Abraham Schmierer zugeschrieben werden.
Einen engen Bezug zu Hannover hat die Aufführung einer Suite von Johann Anton Coberg (1650 –1708), der als Hofcembalist und Organist an der Neustädter Kirche gleichzeitig mit Steffani in Hannover gewirkt hat.
Eine Sternstunde barocker Aufführungskunst
